06.14.07

Die Nachteile grosser Unicampus [sic!]

Posted in Allgemein at 02:57 von admin

Hi Leute! So, nach… etwas laengerer Zeit moechte ich mich doch mal wieder melden – und sei es auch nur, um zu beweisen, dass ich immer noch lebe. Ich war in den letzten Wochen ziemlich beschaeftigt, weil ich a) natuerlich immer noch hier bei Rehau arbeite und weil ich b) kuerzlich bei zwei Universitaeten hier in Sydney nachgefragt habe, ob ich denn nicht, so ich denn wirklich wollen wuerde, meinen PhD dort machen koennte. Ich hatte dann auch zwei Interviews mit zwei Professorinnen von beiden Institutionen. Die erste Professorin hat mich straightaway akzeptiert und mir angeboten, vorausgesetzt, meine formalen Qualifikationen (Noten etc.) stimmen, unter ihrer Supervision zu studieren. Die zweite Professorin hat sich erst einmal mit mir unterhalten und mich dann zu ihrem Boss geschleppt, einem honorigen Professor aus England, der mich dann in seinem britisch-perfekten Englisch erstmal rundum ausgefragt hat: Wie ich auf die Idee kaeme, was ich denn bisher gemacht haette, ob ich nicht lieber in Europa studieren wollte usw. Da ich mich ehrlich gesagt auf solche Fragen vorher auch nicht richtig vorbereitet hatte, kam ich dann mit meinem radebrechenden Englisch auch wortwoertlich ziemlich schnell ins Schwitzen. Na ja, wie auch immer. Im Endeffekt haben die Beiden dann von mir ein Research-Proposal gewollt, mittels dessen ich unter Beweis stellen sollte, dass ich zu wissenschaftlichem Arbeiten auch wirklich in der Lage bin. So ein Proposal ist im Grunde genommen ein kurzer Abriss ueber ein Thema und seinen Kontext, in dem man plant zu forschen, kombiniert mit einem Plan, wie man sich dem Thema wissenschaftlich naehern moechte. Ich habe mich dann entschieden, so ein Proposal schreiben zu wollen, und sei es auch nur als intellektuelles Bodybuilding fuer den Fall, dass ich nicht hier in Sydney bleiben moechte.
Der schwierigste Part war dann, fuer eine Woche freizubekommen, weil ich sonst keine wirkliche Chance gehabt haette irgendwas auch nur annaehernd vernuenftigese zu produzieren - schon alleine aus zeitlichen Gruenden. Als ich meinen Arbeitgeber um vier Tage (Dienstag-Freitag) frei bat, kam ich das zweite Mal wirklich ins Schwitzen. Nach langem Hin und Her („Die ganze Woche? (Pause) Klar koennte ich schlicht ja oder nein sagen, aber das waere vielliecht zu einfach. Ich denke, wir hatten ein Agreement… (Pause) Gut, weil Du schon einmal am Wochenende gearbeitet hast und wirklich Einsatz gezeigt hast, gebe ich Dir den Rest der Woche frei, aber bitte hab’ Dein Handy auf Empfang, damit wir Dich, wenn wir Dich mal wirklich brauchen sollten, anrufen koennen und Du hier rueberkommen kannst. Und wenn mal wieder Wochenendarbeit anliegt…“) gab er dann nach. Folglich verbrachte ich dann die letzten zwei Wochenenden, die letzte Woche und den vergangenen Montag (war hier Feiertag) lesend und schreibend in einer der Bibliotheken der Universitaet von Sydney.
Ich bin mit dem 1st draft des Proposals auch tatsaechlich fertig geworden und habe die ganze Chose auch schon submitted. Mal schauen, was daraus wird.

So, vielleicht zur Abwechslung noch ein wenig von dem, was hier sonst so passiert: Wir hatten am letzten Wochenende, besonders am Freitag und am Samstag, ein hoellisches Unwetter hier in New South Wales (das „Bundesland“, dessen Hauptstadt Sydney ist), mit immerhin neun Todesopfern. Auch ich war betroffen, indem ich am Freitag Abend schnell gemerkt habe, wo die Nachteile eines Riesen-Campusgelaendes liegen (und die Uni von Sydney hat wirklich einen ziemlich weitlaeufigen Campus, obwohl sie mitten in der Stadt liegt). Naemlich darin, dass man erstmal einige hundert Meter zuruecklegen muss, wenn man Kontakt zum oeffentlichen Verkehrssystem herstellen moechte. Diese Distanz hat naemlich vollkommen ausgereicht, mich komplett zu durchnaessen. Am Sonntag konnte ich dann in den Newspapers, sensationsgeil wie ich bin, die offiziellen Photos zum Ungleuck (wie man so schoen sagt) bewundern. Und das war vielleicht eine Flut. Erinnerte mich mit den bis zur Dachkante unter Wasser stehenden Autos und den bis zum ersten Stock komplett gefluteten Haeusern irgendwie an die Elbflut 2003 (war es 2003?). Natuerlich bot die Flut auch sonst alles, was man von einer anstaendigen Flut erwartet: Tote, eingestuerzte Highways, angeschwemmte volle Oeltanker, umgestuerzte Baeume, Zehntausende ohne Strom und Chaos auf den Strassen.

Ansonsten ist hier eigentlich alles ziemlich normal, Australien steuert auf einen Bundeswahlkampf oder befindet sich, besser gesagt, bereits mitten in ihm. Ist ganz interessant zu verfolgen, dass die Politiker in diesem Teil der Welt, was gegenseitige Beschuldigungen und Beleidigungen angeht auch nicht besser sind als bei uns zu Hause. So long and thanks for all the fish! (Ja, ich habe Douglas Adams fuer mich entdeckt – wundervoll!)