04.20.07

Zwischenfazit

Posted in Allgemein at 00:33 von admin

Jo, lebe noch. Gruesse aus Sydney! Heute ist mein letzter Tag an der Schule. Die ersten zwei Monate sind jetzt beinahe rum und nach dem WE beginne ich mein Praktikum. Normalerweise nutzen Menschen solche Veraenderungen zu einem kurzen Zwischenfazit. Und wer waere ich, an einer solch althergebrachten und schoenen Tradition zu ruetteln?!?
Beginnend mit der Schule muss ich sagen, dass es mir wirklich gefallen hat. Zwar hatte ich mir von dem durchschnittlichen Niveau der Mitschueler etwas mehr erwartet, aber das hat mich nicht wirklich gestoert, da es manchmal mehr hilft, anderen Menschen Sachen zu erklaeren, als alleine bueffeln zu muessen. Und Dinge wie Sprechen in Englisch sind gluecklicherweise nicht von den Skills der Zuhoerer abhaengig. Speziell nach dem Wechsel in den IELTS-Kurs war ich wirklich zufrieden. Ein solcher examensbezogener Kurs eroeffnet dem engagierten Schueler immer die Moeglichkeit, relativ unabhaengig von den Staerken und Schwaechen der Mitschueler Fortschritte zu erzielen. Dies liegt einfach in der Natur dieser Examen, die weniger auf stumpfes Grammatikpauken als auf Rede-, Sprech-, Schreib- und Zuhoerskills Wert legen.

Zu dieser Gelegenheit vielleicht mal meine bisherigen Erfahrungen in komprimierter Form, als Guide, sozusagen “English for German newbies - in a nutshell”:
1. Wenn Du aus Deutschland kommst und an einem Gymnasium ca. 5 Jahre Englischunterricht genossen hast, aber ansonsten mit Englisch mit Ausnahme des Internets nicht allzu viel in Kontakt gekommen bist - Don’t Worry! Du bist im internationalen Vergleich im Englischen sehr wahrscheinlich relativ stark. Insbesondere Verbesserung von Grammatik und Vokabular sollten Dir nicht allzu grosse Schwierigkeiten bereiten. Alles ist ein wenig eingerostet, aber im Grunde vorhanden.
2. Kaufe Dir ein Grammatikuebungsbuch ASAP nach Deiner Ankunft. Kaufe Dir NICHT ein Buch, dass sich an “advanced” Schueler richtet. Kaufe Dir ein Buch fuer Leute mit “intermediate” Sprachkenntnissen. Die Grammatik, die in diesen Buechern abgearbeitet wird, ist prinzipiell die selbe, es wird einem also rein vom Umfang her in einem Buch fuer niedrigere Niveaustufen nichts vorenthalten. Die Uebungsbuecher fuer die Profis haben aber den entscheidenden Nachteil, dass Sie sich ueberwiegend mit den Ausnahmen zu jeder Regel beschaeftigen, anstatt dem Leser einfach nur mit sinnvollen Uebungen die eingerosteten Regeln wieder gelauefig zu machen. Und glaubt mir, Ihr wollt die Regeln ueben, nicht die Ausnahmen auswendig lernen.
3. Arbeite mit diesem Buch, mache z.B. jeden Tag eine Uebung - es hilft Dir.
4. (Noch) wichtiger als Grammatik ist das Vokabular. Uebe, z.B. mit einem Uebungsprogramm wie tmx fuer den PC, das grundlegende Vokabular. Insbesondere wichtig ist das Ausdruecken von Emotionen und die sog. “Phrasal Verbs”. Mache Dir klar, was Phrasal Verbs sind, beschaffe Dir eine Liste von Ihnen und UEBE SIE. Sie helfen Dir im Ausdruecken von Alltaeglichkeiten. Was beispielsweise heisst auf Englisch: “Koenntest Du bitte den Fernseher lauter drehen?” Na? No idea? Ok: “Could you please turn up the TV?” Das Phrasal Verb hier ist “to turn up”.
5. Kaufe Dir ein Vokabeluebungsbuch - z.B. mit Vokabular fuer den IELTS-Test, auch wenn Du keinen solchen Englischkurs besuchst. Dieses Vokabular ist fuer Jeden und immer hilfreich und uebe diese Vokabeln.
6. Arbeite mit diesem Vokabeluebungsbuch (siehe Grammatikuebungsbuch). Es kostet nicht viel Zeit (es handelt sich meist nur um das Ausfuellen von Lueckentexten) und hilft Dir.
7. Mache Dir nicht zu viele Gedanken zur Grammatik. Am Anfang wirst Du wahrscheinlich etwas ueber simple past vs. present perfect und, noch wahrscheinlicher, mit den Moeglichkeiten, die Zukunft auszudruecken, verwirrt sein. Noch schwerer wird es Dir fallen, Konjunktive korrekt auszudruecken. Aber das vergeht. Nach knapp zwei Monaten hast Du spaetestens das Gefuehl dafuer entwickelt, wann Du welches Tempus benutzt, wie conditionals funktionieren und wie modal verbs funktionieren.
8. Sprich viel auf Englisch und schlage Worte, die Du eigentlich sagen wolltest, aber aus Mangel an Vokabular nicht sagen konntest, im Deutsch-Englisch-Woerterbuch nach. Schreibe sie auf und merke Sie Dir. Benutze Sie bei der naechsten Gelegenheit.
9. Benutze fuer Woerter, die Du hauefig benutzt, ein Englisch-Englisch-Dictionary und schlage Alternativen nach. Versuche auch, neue Woerter, die Du nicht kennst, in einem Englisch-Englisch-Dictionary nachzuschlagen. Vermeide so haeufig wie moeglich das Englisch-Deutsch-Woerterbuch.

Ok, soviel dazu. Seid Ihr einverstanden? Korrekturen bzw. Ergaenzungen sind mir stets willkommen.
Dann vielleicht noch ein paar Worte zu Sydney. Syndey ist wirklich eine tolle Stadt. Sogar ich als Landei finde es hier richtig gut. Ich kann mich nur wiederholen: Baustil, Komposition der Stadt (Gruenflaechen und High Density zusammen), Leute und Stimmung sind einfach toll. Extrem ist auch der Multikulturalismus. Sydney muesste ein Fest fuer Claudia Roth sein. Ich halte jede Wette, dass Sydneys Auslaenderanteil wesentlich hoeher ist als der jeder deutschen Stadt. Aber die Stimmung ist eine ganz andere als in Deutschland. Auslaender werden nicht (un-)willkuerlich mit Vorbehalten und Feindseligkeit betrachtet - zumindest nicht offensichtlich. Auslaender sind einfach Teil der Stadt, Teil der Kultur. Das Auslaender-Sein spielt einfach keine Rolle. Es ist so normal, wie die Tatsache, zwei Beine zu haben. Man bemerkt es gar nicht. Natuerlich hat die Stadt auch Nachteile, aber die sind eher “irdischer” Natur und very well known auch in Deutschland. Ich denke z.B. an den teilweise katastrophalen Zustand der Strassen (wirklich unglaublich!) oder die immer wieder auftauchenden Unpuenktlichkeiten des oeffentlichen Transportsystems, das zudem relativ anfaellig ist. Es muss nur einmal irgendwo ein Zug liegenbleiben, dann steht fast die ganze Stadt still. Nun gut.
Meine Homestayfamilie ist wirklich angenehm. Der kleine Junge ist manchmal anstrengend, die Mutter aber wirklich (!!) nett und hilfsbereit. Ueber Dinge wie Essmanieren und Ordnungssinn schweige ich mal lieber… Bei denen jedenfalls halte ich es locker noch drei Monate aus - no doubt at all about that.

So, Ihr seht schon, mir geht es hier ganz gut und wirklich besorgt hoere ich mich doch auch nicht an, oder? Deshalb soll das in Sachen Retrospektive soll jetzt erst mal reichen, naechstes mal gibt’s vielleicht was Prospektives oder wieder was Detaillierteres zu einem bestimmten Problem. Freue mich ueber Kommentare! Viele Gruesse!

P.S. Nochmal ‘ne praktische Frage: Kann mir mal Irgendjemand verraten, wie ich Kommentar-Spam verhindere?? Was muss ich machen um z.B. diese Bilder zu bekommen, aus denen man immer die Buchstabenfolge abschreiben muss?? Irgendwelche anderen Ideen? Thx!

04.11.07

Das Osterwochenende

Posted in Allgemein at 03:09 von admin

‘N Abend allerseits! (Nein, ich weiss nicht, ob bei Euch gerade Abend ist, ich moechte nur an den guten H. Fassbender erinnern.)
Vorgestern habe ich mir “300″ angsehen. Ich habe inzwischen mitbekommen, dass der Film in Deutschland offensichtlich heiss diskutiert wird; die Feuilletons zerrissen sich das Maul ueber faschistische Anspielungen, homoerotische Exzesse und krude proamerikanische Heldentumsvisionen. Sogar eine politische Dimension soll der Film inzwischen bekommen haben - Der Iran fuehle sich angeblich denunziert und seiner Ehre beraubt (Fuer alle, die es nicht wissen: 300 Spartaner (= heldenhafte Amerikaner) kaempfen gegen hunderttausende Perser (= Iraner) und schlachten derer abertausende, bevor sie am Ende selber quasi hingerichtet werden).
Nun ja, von all dem wusste ich nichts, als ich gestern das Kino betrat. Was ich sehr wohl wusste war, dass mich eine massige computeranimierte Schlachtorgie erwarten wuerde - und ich wurde nicht enttaeuscht. Urspruenglich wollte ich ins IMAX, leider war die Vorstellung aber schon ausverkauft, also bin ich in ein normales Kino gegangen. Nichtsdestotrotz war der Film visuell und auditiv wirklich beeindruckend. Was immer man auch von Schlachtorgien und in Zeitlupe dargestellten Enthauptungen und dergleichen mehr halten mag - aesthetisch war es allemal. Denn man darf sich die Schlachtorgien nicht wie in einem “normalen” Film vorstellen, also halbwegs realistisch und deshalb auch emotional auesserst brutal, wie z.B. in Braveheart, sondern nahezu komplett computergeneriert und daher hinreichend abstrakt um den Zuschauer nicht wirklich emotional zu erschuettern. Zum Vergleich: Der Film ist ungefaehr so stark computertechnisch ueberarbeitet wie Sin City, ohne aber so vollstaendig verfremdet worden zu sein. Die Computertechnik wurde hauptsaechlich dafuer genutzt, eine ueber den ganzen Film gleichmaessige und gleichfoermige, phantastische Atmosphaere zu generieren. Beispielsweise ist der ganze Film in einen immer gleichen gelblichen Ton getaucht, ganz im Stile von Soderbergh. Und so fliessen im Vordergrund Hektoliter von Pixelblut, waehrend die Hautfarbe des Helden computerueberarbeitet bronzenfarben in einem Sonnenlicht funkelt, das im Hintergrund vollkommen artifiziell in einen gelblich-kuenstlich pathetisch wolkenverhangenen Himmel auf den Blue-Screen animiert ist. Dazu entweicht, in Zeitlupe zwar, aber dennoch hochdynamisch, ein heldenhafter Schrei aus einem grimmig entschlossenen Spartanergesicht, untermalt von sphaerischer Orchestermusik in bester Hollywood-Manier. Wow. Ich liebe so etwas - ich gebe es zu.
Ganz im Stile von Herr der Ringe waren die Hauptgegner der Helden zudem regelrechte Chimaeren, absurde Kreuzungen aus Mann und Kreatur, die mit grossem Tam Tam angekuendigt wurden und dann nach langem, verzweifeltem Kampf von den Spartanern heldenhaft besiegt wurden - man denke an den Hoehlentroll oder den Oberork aus dem ersten Teil des Herrn der Ringe. Ohne solche Viecher geht es wohl heutzutage nicht mehr.
Zudem war der Film regelrecht lustig, selbstironisch gar. Obwohl der Hauptcharakter 90% seiner Zeit damit beschaeftigt war, moeglichst konzentriert besorgt und ernst zu gucken, war zwischendurch immer mal Zeit fuer einen lustigen Dialog oder one-liner.
Insgesamt also habe ich es genossen. Und als ich dann hinterher von dem Hype mitbekommen habe, der offensichtlich in Deutschland um den Film gemacht wird, wurde mir zum ersten mal in meinem Leben so richtig klar, wie gefangen man doch immer in seinem speziellen Umfeld und den sich in diesem Umfeld abspielenden Alltaeglichkeiten ist. Denn hier in Australien war von Faschismus, von Nazitum, von Metapher des Kampfes Amerikas gegen die Achse des Boesen oder aehnlichen - ja - Absurditaeten niemals die Rede. Ich hatte nicht mal ansatzweise, nicht einmal im entferntesten, jemals solche Assoziationen, bevor ich die Kritik bei Spiegel Online gelesen habe - wohlgemerkt, nachdem ich den Film gesehen hatte. Aber ich dachte sofort, dass, wenn ich diese ganze Medienblase, dieses wichtigtuerische, meinungs- und willensschwangere Gesabbere vorher vernommen haette, dass ich dann vielleicht selbiges auch in den Film projiziert oder in ihm gesehen haette. So war es nicht mehr als ein wirklich unterhaltsamer, zweistuendiger Actionfilm, genossen ohne jede Schuld. Fuer Leute, die, wie ich, auf Helden, starke Antagonisten, visuelle Exzellenz und gut choreographierte Kaempfe stehen: Give it a go! Wer wirklich einen Plot sucht oder gar einen tieferen Sinn: Beware!

Dann habe ich am Osterwochenende recht viel gelesen. Zunaechst habe ich den Thriller “A Simple Plan” von Scott Smith zu Ende gelesen, der ja, wo wir gerade bei Filmen sind, auch verfilmt worden ist. Ok, guter Thriller, ein wenig langsam zwar, aber dennoch unterhaltsam. Obwohl durchaus spannend und nachvollziehbar erzaehlt, fuehren ein paar kleine Logikschnitzer im Verhalten der Protagonisten aber dazu, dass dem Buch der letzte Kick, das I-Tuepfelchen, fehlt.
Wesentlich besser aber war das zweite Buch, das ich gelesen habe, “Fear and Loathing in Las Vegas” von Hunter S. Thompson. Ich lese die Buecher immer, wenn ich “commute”, sprich, mich von einem Ort zum anderen bewege. Und bei diesem Buch konnte ich einige Male wirklich nicht anders, als in voller Oeffentlichkeit loszulachen. Die Kombination aus absurden Situationen und genialer Wortwahl diese zu beschreiben, ist wirklich wirklich lesenswert. Thompson schafft es zudem, die Geschichte zum Ende hin immer besser werden zu lassen. Das Buch ist knackig-kurz, nicht einmal 200 Seiten ca. A5, nicht zu klein gedruckt, mit Abbildungen. Ich kann nur _jedem_ Leser empfehlen: Ab zu EBay, die englische (!!) Ausgabe bestellen und ein bis zwei Tage wirklich vergnueglichen Lesespasss haben! Trust me.
Jetzt habe ich angefangen mit “Lee Child - Bad Luck and Trouble - The new Jack Preacher novel”. Das sagt ja wohl alles. Ist ein moderner Thriller mit dem Helden Jack Preacher (so eine Art Jack Ryan), der eine Horde boeser Jungs zur Strecke bringt - natuerlich nicht, ohne coole One-Liner loszulassen und ausreichend Gewalt einzusetzen. Die ersten 80 Seiten sind ganz unterhaltsam, mal schauen, wie es weitergeht…

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote. Im australischen Fernsehen gibt es eine Gameshow namens “1 vs. 100″. Es gibt einen Kandidaten (”1″), der zusammen mit einem Moderator vor einem Panel von 100 Publikumskandidaten steht (”100″). Das Spiel ist in Runden eingeteilt und pretty much wie bei Jauch. In jeder Runde wird dem Kandidaten und den Panelkandidaten eine Frage gestellt. Diese Frage ist mit einem bestimmten Basisgeldbetrag verbunden, der auch jede Runde ansteigt. Das Panel hat sechs Sekunden Zeit, den Button fuer die richtige Antwort zu druecken. Dann ist der Kandidat dran, der laenger ueberlegen darf und auch zwei Joker hat (zwei Leute aus dem Panel befragen und Mehrheit des Panels folgen). Wenn der Kandidat seine Antwort eingeloggt hat, wird aufgeloest, wer aus dem Panel die Frage falsch beantwortet hat. Wenn der Kandidat die richtige Antwort gegeben hat, wird die Anzahl der falschen Antworten aus dem Panel mit dem akutellen Basisgeldbetrag multipliziert. Die Deppen/armen Schweine mit der falschen Antwort werden dann aus dem Spiel genommen, so dass das Panel jede Runde schrumpft.
Wie auch immer, in diesem Fall war es so: Das Panel bestand noch aus 77 Leuten. Die Frage lautete: Welches dieser Worte aendert seine Bedeutung nicht, wenn ihm das Praefix “in” vorangestellt wird? a) decisive, b) sensitive, c) flammable. Nun muss man kein Englischprofessor sein, um auf den ersten Blick zu erkennen, dass die Antwort nur c) sein _kann_. Flammable = Inflammable. Der Kandidat jedenfalls begann erst einmal heftig zu schwimmen. Er ueberlegte - “Ich weiss nicht so recht…” - und ueberlegte - “decisive, indecisive, hmmm…” - und ueberlegte - ich wette, noch eine Antwortmoeglichkeit mehr und er haette sich wie weiland Verus ins Mikrophon des Moderators gestuerzt. Wohlgemerkt ein englischer Muttersprachler! Schliesslich und endlich entschied er sich fuer Antwort c) (puuhhh!) und loggte sie ein. Dann wurde aufgeloest, wer aus dem Panel die Frage falsch beantwortet hatte. Und ob Ihr es glaubt oder nicht, von den 77 Leuten hatten lediglich 55 die richtige Antwort! Von 77 Leuten, 99% davon Muttersprachler, hatten nur ca. 2/3 die richtige Antwort auf diese ach so gigantisch schwere Frage! Bisher glaubte ich immer, Australier waeren, obwohl zu den USA vergleichbar gross und vergleichbar abgelegen, nicht so sehr “inward” gerichtet und ein wenig cleverer.
Bisher.

So, mit dieser Anekdote verabschiede ich mich. Ich muss zurueck zum Unterricht und wuensche Euch noch einen schoenen Abend! (Ja ja, ich weiss, siehe Begruessung…)

04.07.07

Dies und Das

Posted in Allgemein at 04:18 von admin

Moin Folks! So, was gibt’s Neues? Wie Ihr vielleicht wisst, besteht mein Australienprogramm aus zwei Monaten Sprachschule und anschliessend drei Monaten Praktikum bei einer australischen Firma. Die Sprachschule endet planmaessig am 23.04, also schon in ziemlich genau zwei Wochen. Und seit Dienstag dieser Woche habe ich auch meinen Praktikumsplatz endgueltig sicher, juhu! Ich werde drei Monate bei Rehau Australien, einer Tochtergesellschaft der (tatsaechlich!) deutschen Firma Rehau, arbeiten. Ziemlich spannend im Bewerbungsprozess war vor allem der Interviewtermin bei der Firma. An dem Tag war es einigermassen heiss und ein Kumpel aus der Sprachschule, der dort auch ein Praktikum macht, und ich machten uns gemeinsam auf den Weg. Ich hatte mich in meinen extra dafuer mitgenommenen Anzug geschmissen (was eine Verschwendung!) und mir war schon beim Anziehen morgens klar, dass mir wohl relativ warm werden duerfte… An der Adresse angekommen, stellten wir fest, dass die unmoeglich stimmen konnte, da die Raeumlichkeiten offensichtlich verlassen und unter Renovierung waren. Also riefen wir den zustaendigen Personalmanager an, der aber nicht zu erreichen war. Er rief dann eine halbe Stunde spaeter auf dem Handy meines Kumpels zurueck und gab uns die richtige Adresse. Leider hat mein Kumpel die nicht so richtig verstanden und wir sind erstmal eine gute Stunde durch den Stadtteil gewandert und gefahren, nur um dann nach einigem Hin- und Hertelefonieren festzustellen, dass wir im vollkommen falschen Stadteil waren. Eine halbe Stunde spaeter und 40 taxibedingte $ aermer kamen wir dann an und wurden tatsaechlich noch zum Gespraech gebeten! Ich haette eher angenommen, dass Kandidaten, die zum ersten Termin gleich mal zwei Stunden zu spaet kommen, sofort abgewiesen wuerden.
Wie auch immer, das Gespraech selber war dann auch nicht viel besser. Ich war so nervoes, dass ich keinen graden Satz herausbekam. Konsequenz war, dass mich der Boss (es stellte sich heraus, dass unser Ansprechpartner die ganze Zeit der CEO von Rehau Australien war) an seinen zweiten Mann verwies, der, oh Zufall oh Zufall, ein Deutscher ist und mit dem ich demzufolge auf Deutsch sprechen konnte. In Unterhaltungen auf Deutsch habe ich zwar auch Probleme, aber wenigstens fehlen mir da nicht die Worte… Endergebnis jedenfalls ist, dass ich die Stelle habe und sogar monatlich einige hundert Dollar “Gehalt” bekomme (offiziell ist das eine Kompensationszahlung fuer meinen Mietaufwand, da man in Australien aufgrund spezieller Gesetze an Praktikanen kein Gehalt zahlen darf).

Als zweites moechte ich noch einmal ein wenig etwas Politisches loswerden. In Deutschland duerfte der Name Murat Kurnaz momentan relativ bekannt sein. Fuer den unwahrscheinlichen Fall, dass einer der Leser diesen Namen und die Geschichte dahinter noch nicht mitbekommen hat, hier eine _kurze_ Zusammenfassung: Murat Kurnaz ist ein seit seiner Kindheit in Deutschland lebender Tuerke, der vor einigen Jahren im Zuge der “Aufraeumarbeiten” der Amerikaner nach dem 11. September in Guantanamo gelandet ist und jetzt vor wenigen Monaten freigelassen wurde und nach Deutschland zurueckgekommen ist. Das brisante daran ist, dass der deutschen Bundesregierung unter Gerhard Schroeder vorgeworfen wird, nicht nur mangelnde Bemuehungen zur Freilassung Kurnaz’ unternommen zu haben, sondern sogar aktiv seine Rueckkehr verhindert zu haben, insbesondere als bereits vor Jahren die Moeglichkeit bestand, ihn zurueckzuholen. Ergebnis dessen war, dass Kurnaz, statt schon 2003 (glaube ich) zurueck nach Deutschland zu kommen, bis 2006 in Guantanamo eingesessen hat und erst dann von den Amerikanern freigelassen wurde.
Das interessante daran in Bezug auf Australien ist nun, dass hier nahezu exakt das selbe passiert (ist), und zwar mit einem Mann namens David Hicks. Auch der haette schon vor Jahren zurueck nach Australien kommen koennen, ist aber von der immer noch amtierenden “Bundesregierung” hier unter John Howard bewusst nicht zurueckgeholt worden. Noch staerker und noch freimuetiger aber als in Deutschland wird hier vom Government die Begruendung offen ausgesprochen, dass Hicks ein Terrorist sei und man deshalb absichtlich nicht auf seine Freilassung gedraengt habe. Hicks seinerseits hat sich vor einem Kommitee kuerzlich offiziell schuldig bekannt und hofft, mit dieser Strategie jetzt aus Guantanamo frei- und nach Australien zurueckzukommen. Howard jedenfalls muss sich, genau so wie vor allem Steinmeier in Deutschland, momentan heftigen Befragungen stellen und Attacken erwehren, warum man Hicks in Guantanamo hat verschimmeln lassen.
Das nennt man wohl Globalisierung. Die Welt waechst zusammen. Auch politisch.

Zum Schluss noch eine kleine Sache zum Schmunzeln: Hier in Australien wird, genau wie in Deutschland, momentan Ostern gefeiert. Und genau wie in Deutschland sind der Karfreitag (Good Friday) und der Ostermontag (Easter Monday) oeffentliche Feiertage. Auch ich, by the way, geniesse deshalb momentan ein ziemlich langes Wochenende. Das Lustige daran ist jetzt, dass die Australier fuer solche oeffentlichen Feiertage (oder gar eine ganze Periode wie hier) die Strafgebuehren und die sogenannten “Demerit-Points” fuer Verkehrsvergehen verdoppeln! :-D Das heisst z.B., dass man fuer eine Geschwindigkeitsueberschreitung von x km/h jetzt nicht mehr 50, sondern 100 $ abdruecken muss. Muhahaha! Die Aussies machen mir Spass! Waere das nicht mal ne Massnahme fuer das leere Staatssaeckel in deutschen Finanzaemtern?!? Wuerde sich zudem doch gut in die aktuellen Verbotsdebatten in Deutschland einreihen…

Ich wuensche Euch noch ein angenehmes Osterfest, wir sprechen uns!

04.01.07

Familientreffen

Posted in Allgemein at 05:07 von admin

Tach zusammen! Gestern habe ich endlich, nach vier langen Wochen, meinen Cousin und seine Frau besucht, die schon seit ca. 4,5 Jahren hier in Sydney wohnen. Immerhin war das ja ueberhaupt einer der Gruende, die mich bewogen haben, Australien bzw. Sydney anderen englischsprachigen Laendern wie England oder den USA vorzuziehen. Nach einem - wie ich gelernt habe - typisch australischen Fruehstueck bzw. Mittagessen, bestehend vorwiegend aus Bohnen mit Speck + Toast + Ruehrei, sind wir mit seinem Auto an einen der noerdlichsten Straende des Bereichs, den man noch guten Gewissens mit der Stadt Sydney in Verbindung bringen kann, gefahren. Dieser Strand, Palm Beach, ist dann auch gleichzeitig der (fuer jede Stadt, die auch nur ein wenig auf sich haelt) obligatorische “Promistrand”. Von Promis war zwar nichts zu sehen, aber als wir mit dem Auto mal ein wenig durch die Wohngegend dort gefahren sind, merkte man dann doch deutlich, dass sich dort eher gutsituierte Bevoelkerungsschichten niederlassen duerften. Das Kaufen und Verkaufen von Immobilien - ich hatte darueber schon geschrieben - scheint hier tatsaechlich eine Art Volkssport zu sein. Nicht nur nimmt der Immobilienhandel immer reichlich Platz in den einschlaegigen Zeitungen ein, nein, egal wo man sich auch herbewegt, andauernd trifft man auf grosse “zu verkaufen”-Tafeln vor den Hauesern. Das sind dann aber nicht irgendwelche amateurmaessigen Schilder mit dem “zu verkaufen”-Hinweis und vielleicht noch einer Telefonnummer darauf, sondern von den unterschiedlichsten Maklern im jeweiligen Corporate Design mit Photos und Kontaktdaten und allem Zip und Zap ausgestattete Werbetafeln. Manchmal wirken die ganzen Immobilienmakler hier in Sydney auf mich wie eine verschworene Mafiagesellschaft. Alle arbeiten zusammen, keiner stoert den anderen, alle sahnen heftig ab.
Wie auch immer, abends jedenfalls haben wir uns dann die sogenannte “Earth Hour” angeschaut. Wie ist das zu verstehen? Nun, die “Earth Hour” war ein mit ziemlich viel Tam Tam und grossem Werbeaufwand in den Medien anberaumtes Stromsparereignis. Die wichtigsten Unternehmen Sydneys, genauer, diejenigen, die die dicken Skycraper am Hafen besitzen, wurden gebeten und darauf eingeschworen, gestern Abend, am 30.03.07 ab 19.30 Uhr fuer eine Stunde die Lichter auszumachen, um symbolisch Strom und Energie zu sparen und ein Zeichen zu setzen. Die Stadt selber hat natuerlich auch mitgemacht und jeder Einwohner war ebenfalls dazu aufgefordert, ab 19.30 Uhr fuer eine Stunde die Lampen auszumachen. Und so haben wir uns vor der sich jenseits der Meerenge befindlichen Wohnung meines Cousins (die uebrigens sehr schoen ist) auf den Rasen gesetzt und uns Sydneys Skyline angeschaut. Obwohl, wie gesagt, mit viel Aufwand anberaumt, war das Ergebnis dann allerdings recht enttaueschend. Zwar machten viele der Unternehmen mit und stellten die Leuchtreklamen in ihren Hochhauesern aus und die oeffentlichen Beleuchtungen, z.B. die der Harbour-Bridge, wurden ebenfalls geloescht, aber das war es dann auch schon. Was bleibt ist wohl nur der gutgemeinte Versuch und das Zeichen, das gesetzt wurde. Wie ich schon frueher geschrieben hatte, ist hier Umweltbewusstsein und Energiesparen momentan moerderisch angesagt. Verwundert vielleicht auch nicht, da Australien momentan eine der schlimmsten Duerren der juengeren Vergangenheit durchlebt und das Wasser langsam knapp wird (in Melbourne darf man nicht mehr den Rasen sprengen).

Erst wenn man aber einmal Sydney im “Dunkeln” (oder vielleicht eher den Versuch) gesehen hat und sich die sonstigen Energiesparbemuehungen vor Augen fuehrt, wird einem klar, wie viel Energie (im abstrakten Sinne) Australien als Land dafuer aufwenden muss, unter den hier vorherrschenden Umweltbedingungen einen so hohen und westlich-zivilisiert-fortschrittlichen Lebensstil zu ermoeglichen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass auf der suedlichen Hemisphaere der Erde der Grossteil der Laender, was Lebensstandard im westlichen Sinne betrifft, nicht annaehernd mit dem Grossteil der Laender der noerdlichen Hemisphaere mithalten kann. Natuerlich gibt es auch hier keine Monokausalitaet - wie nirgends im Leben. Aber das Klima ist sicherlich ein ganz entscheidender Faktor.

Reicht das fuer heute? Was meint Ihr? Reicht? Na gut - mache ich eben Schluss! :-) See you!